Mentorstiftung Universitätsklinikum Heidelberg Universität Bielefeld
Internationaler Fachkongress 2007
 
 

„Vom Zeigefinger zur ausgestreckten Hand – Methoden und Medien der Suchtprävention“

Dr. Stefan Frädrich (Vertreter der DGNP) 


„Über das Rauchen sprechen, nicht über Krankheiten! Ein Paradigmenwechsel in Nikotinprävention und -entwöhnung.“

 

 

Gute Nikotinprävention und -entwöhnung muss fragen: Warum rauchen Raucher? Nicht: Wie krank macht das Rauchen? Denn die Gründe zu rauchen, sind andere als die, damit aufzuhören: das Erwachsenseinwollen Jugendlicher – gepaart mit Zigarettenmarketing. Die Gewöhnung der Nerven an eine regelmäßige Nikotindosis – weshalb sich Raucher ohne Zigaretten unwohl fühlen. Die Verknüpfung von Zigaretten mit bestimmten Situationen – eine Konditionierung, die das Leben an Zigaretten kettet. Der Glaube an angebliche Vorteile des Rauchens, wie Coolsein, Freiheit, Schönheit, Individualität – Werbeaussagen der Tabakindustrie. Kurz: die Verwandlung eines gesunden Menschen in eine Nikotinkonsummaschine, die jeden Tag Geld für Zigaretten ausgibt. Wer diese Mechanismen durchschaut, will nicht rauchen – ohne Verbote und erhobenen Zeigefinger. Gute Nikotinprävention und -entwöhnung muss zudem unterhaltsam, motivierend und anschaulich sein. Unterhaltsam und motivierend, weil der heutige Medienkonsum dazu zwingt, will man bewusst ausgewählt, gehört und verstanden werden. Und anschaulich, weil Originalmaterial in Fülle zur Verfügung steht: zum Beispiel per US-Gerichtsbeschluss veröffentlichte Tabakindustriedokumente (www.tobaccodocuments.org).


„Die Gesundheitsdebatte erscheint Jugendlichen nicht wichtig, weil man mit 18 psychologisch gesehen unsterblich ist. Zudem: Wenn der Wunsch, ein Draufgänger zu sein, Teil der Motivation ist, mit dem Rauchen anzufangen, machen wiederholt betonte Risiken das Rauchen attraktiv. Wenn schließlich Erwachsene gegen das Rauchen predigen, bringt der Wunsch nach Auflehnung Jugendliche erst recht zum Rauchen. Eine neue Marke für die junge Zielgruppe sollte daher in keiner Weise als Gesundheitsmarke beworben werden und stattdessen vielleicht eher Risiko transportieren. In diesem Sinne könnten Warnhinweise auf Zigarettenschachteln von Vorteil sein.“ (Quelle: www.tobaccodocuments.org)

 

--------------------------------------------------------------------------------------

 

Dr. Ulrich Wehrmann

 

„Motivierende Gesprächsführung - Neue Perspektiven für eine kreative, veränderungsfördernde Gesprächskultur“



Wie können Menschen mit problematischen Verhaltensweisen (z.B. missbräuchlichem Konsum psychoaktiver Substanzen) zur kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Verhalten motiviert werden? Auf diese Frage bietet das, von William Miller und Steve Rollnick (1991; 2002) entwickelte Konzept der „Motivierenden Gesprächsführung“ („Motivantional Interviewing“) überzeugende, praxisbewährte Antworten. Es geht von 2 grundsätzlichen Prämissen aus:

 

1. Menschen sind stets ambivalent.
2. Menschen sind nicht änderungsresistent.

 

Die Freisetzung von Eigenmotivation zur Veränderung erfordert nach dem Konzept der Motivierenden Gesprächsführung ein gründliches Erkunden der persönlichen Argumente, die für eine Veränderung sprechen, bei gleichzeitiger Würdigung der Gründe, die dagegen sprechen. Unter Zuhilfenahme zentraler Techniken der „Motivierenden Gesprächsführung“ (aktives Zuhören, flexibler Umgang mit Widerstand etc.) kann unser Adressat automatisch zum Fürsprecher seiner eigenen Veränderung werden.
Der Vortrag bietet neben einer Einführung in die Theorie der „Motivierenden Gesprächsführung“ zahlreiche Praxisbeispiele, anhand derer das Konzept realitätsnah erläutert wird.

 

 
 
Website sponsored by 3iMedia GmbH